Deutsche Fremdenlegion in Afghanistan?
Die Lage in Afghanistan bleibt sehr angespannt, und Entspannung ist nicht in Sicht. (Wikipedia: “Laut einem im November 2007 publizierten Bericht des britischen Senlis Councel, der über einen eigenen Beobachterstab in Afghanistan verfügt, haben die Taliban inzwischen in über der Hälfte des Landes eine ständige Präsenz etabliert. Sie kontrollieren außerdem inzwischen Zentren von Distrikten sowie wichtige Verkehrsverbindungen, Teile der Wirtschaft und der Energieversorgung.”)
Um den Krieg gegen Taliban, andere islamistischen Extremisten und Drogen-Mafia zu gewinnen, brauchen westliche und afghanische Armeen viel mehr Truppen, als sie zur Zeit dort haben. Um festen und dauerhaften Frieden zu erringen, ist es notwendig, das ganze Territorium des Afghanistans, Meter für Meter, gleichzeitig in ganzem Lande durchzukämmen, und die lange Grenze zu Pakistan absolut dicht zu machen, weil die Talibans Hauptbasen sich in Grenzgebieten Pakistans befinden. Die landesweite Durchkämmung ist nötig, um alle Positionen, Basen, Lager und Verstecke des Gegners, alle Mohnfelder und Drogenvorräte zu orten und zu beseitigen und alle Einwohner, inklusive der Nomaden, zu zählen und zu registrieren. Nach der Befriedung Afghanistan müssen NATO-Einheiten zusammen mit den pakistanischen und afghanischen Armeen die Grenzgebiete Pakistans auch durchkämmen, weil die pakistanische Regierung nicht in der Lage ist, allein diese Provinzen zu kontrollieren.
Ohne diese Maßnahmen kann der Krieg in Afghanistan ewig
dauern.
Um diese Aufgaben zu bewältigen, braucht man große Armeekontingente, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Bedingungen für Kriegsführung dort sehr ungünstig sind: Der größte Teil des Landes ist unzugänglich, Berge, Vorberge (nur weniger als 10 % der Landesfläche liegen unterhalb von 600 m), Wüsten, Halbwüsten, raues Klima (Wikipedia: “Das Temperaturspektrum ist das größte der Welt: Es reicht von -50 bis +53 °C”), schlechte Infrastruktur, sehr schwache Macht der Zentralregierung und die Stärke der regionalen Warlords und Drogen-Mafia, Feindlichkeit eines Teils der Bevölkerung u. s. w.
Wenn die NATO-Länder diesen Krieg irgendwann erfolgreich beenden wollen, müssen sie ihre Armeekontingente in Afghanistan erheblich aufstocken. Es ist zweifellos, dass die Verbündeten immer lauter fordern werden, dass Deutschland mehr Soldaten nach Afghanistan entsendet, und nicht nur in den friedlichen Norden des Landes, sondern auch in die Kampfgebiete in Süden, und es wird für die deutsche Regierung immer schwieriger, sich zu weigern, diese Forderungen zu erfüllen. Die Spannungen innerhalb von NATO wachsen, die unschmeichelhaften Äußerungen an die Adresse der Deutschen häufen sich, und die Deutschen haben eigentlich keine gewichtigen Argumente, die ihre Nichtbeteiligung an Kämpfen in Süden untermauern könnten. Natürlich leisten die deutschen Soldaten große Hilfe beim Aufbau Afghanistans, aber der Aufbau ist keine Hauptaufgabe der Armee: der Aufbau ist die Sache der zivilen Organisationen und Firmen – die Armee muss vor allem den Krieg beenden, ohne Frieden ist ein richtiger Aufbau unmöglich.
Diesen Konflikt innerhalb der NATO, der das Image Deutschlands sehr schädigt, könnte man am besten beilegen, indem die Bundeswehr eine Deutsche Fremdenlegion in den Süden Afghanistans entsendet. Für diese Legion sollte man nur Afghanen anwerben, die in den Reihen der Nordallianz am Kampf gegen die Taliban aktiv teilgenommen haben, und ihre Kinder. (Wikipedia: ” Nordallianz, oder Vereinigte Front, war eine gegen die Taliban gerichtete lose Koalition rivalisierender tadschikischer, usbekischer und Hazara-Warlords. Sie wurde im Oktober 1996 als militärisches Zweckbündnis als Reaktion auf den landesweiten Vormarsch der Taliban gegründet. Ende des Jahres 2001 konnte die Vereinigte Front mit Hilfe massiver US-Luftunterstützung praktisch ganz Afghanistan zurückerobern”).
Die Afghanen sind sehr gute Krieger. Besonders gut weiß das (aus eigener Erfahrung) die Britische Armee, die drei Kriege gegen Afghanen geführt hat: Sie konnte die Afghanen nie endgültig besiegen und nie das ganze Territorium des Landes kontrollieren.
Der 1. Anglo-Afghanische Krieg (1839-1842.) endete mit der größten Katastrophe der Kolonialgeschichte Englands: Die britische Armee wurde gezwungen, sich nach Indien zurückzuziehen, und beim Rückzug wurde sie eingekesselt und völlig vernichtet (15000 Soldaten und Offiziere, nur ein Militärarzt hat überlebt).
Während des 2. Anglo-Afghanischen Krieges (1878-1881), begnügten sich die Engländer damit, dass sie einen Emir in Kabul eingesetzt haben, der mit ihnen zur Zusammenarbeit bereit war, und nicht mit Russen, wie sein Vorgänger. Natürlich war diese Zusammenarbeit nicht umsonst: Der Emir bekam von England finanzielle Hilfe. Im Tausch gegen diese Hilfe bekam die englische Regierung das Recht, die Außenpolitik Afghanistans zu bestimmen. Das war eigentlich ihr Hauptziel: Sie wollte die Ausbreitung des Einflusses Russlands auf Afghanistan verhindern. Dann zogen die Engländer ihre Armee aus Afghanistan ab, ohne den Widerstand der Stammes-Krieger zu brechen – sie haben diese schwierige Aufgabe Emirs Schultern übertragen, der sie auch nie vollständig löste. So wurde Afghanistan für kurze Zeit – für nur 39 Jahre - zu einem Halbabhängigen britischen Protektorat.
Der 3. Anglo-Afghanische Krieg (1919) dauerte nur drei Monate. Obwohl Engländer sogar ihre Luftwaffe eingesetzt haben, haben die Afghanen sich endgültig freigekämpft. So wurde Afghanistan viel früher unabhängig als andere britische Dominien, Protektorate und Kolonien.
Die afghanischen Legionäre werden wesentliche Vorteile haben: Sie kennen sich im eigenen Lande sehr gut aus, sie sind an die rauhe Natur angepasst und – was besonders wichtig ist – die Kämpfer der Nordallianzen haben schon Kampferfahrung im Anti-Taliban-Krieg, sie kennen den Gegner, für sie ist Taliban ein Todfeind (viele von ihnen haben ihre Verwandten im Krieg verloren), sie halten die Taliban für pakistanische Okkupanten (die Taliban-Bewegung kommt aus West Pakistan) oder für Verräter, die mit den Okkupanten kollaborieren.
Die ausgezeichneten afghanischen Krieger unter deutschem Kommando, mit deutscher Ausrüstung, Disziplin und Organisation, ausgebildet, politisch aufgeklärt und erzogen durch deutsche Offiziere (Fahneneid auf die Treue der demokratischen Ordnung!) können einen wesentlichen Beitrag zum Sieg über die Taliban leisten und zur Stutze der Demokratie in Afghanistan werden. Und mit dem Einsatz der Legion in Süden des Landes werden die Verpflichtungen Deutschlands gegenüber den Verbündeten erfüllt.
Man muss auch berücksichtigen, dass dieser Einsatz viel billiger sein wird, als ein Einsatz der deutschen regulären Truppen, und dass es dem Verteidigungsminister viel leichter wird, für diesen Einsatz die Erlaubnis des Parlaments zu bekommen.
Zum Schluss - vielleicht das wichtigste Argument:
Die afghanischen Probleme müssen von Afghanen gelost werden!
Der Einsatz der westlichen Armeen in Afghanistan muss zeitlich begrenzt sein. Ihre Hauptaufgabe ist, den demokratischen Kräften des Landes zu helfen, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Afghanen ihre afghanischen Probleme selbst losen können. Die Gründung der deutsch-afghanischen Fremdenlegion wird ein wichtiger Schritt zu diesem Hauptziel sein.
Meine anderen Werke s.:
www.bowaef.12see.de
Donnerstag, 3. April 2008
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